MÜNCHNER SOMMERWERKSTATT
FÜR EXPERIMENTELLE MUSIK 2026


Freitag 31. Juli - Samstag 1. August 2026

in der Halle 50 DomagkAteliers 
Margarethe Schütte-Lihotzky Straße München
  


Aufführungen und Beiträge:   Faltblatt mit Zeitplan als pdf

mit

Vokalensemble KlangStimmen,
 Ingeborg Habereder / Irene Nergert / Peter Franke / Jürgen Kufner
 
Ignaz Schick, Berlin

Florian Neuner, Wien / Berlin

Peider A. Defilla, München

Stephan Wunderlich / Edith Rom / Hans Essel,
  München / Darmstadt


Eintritt frei

 
veranstaltet von Stephan Wunderlich
organisiert von Edith Rom


Zeitplan: Freitag 31. Juli 2026 18 h: Vokalensemble KlangStimmen KlangStimmen: 3-5-7-17 Vocal Ensemble Version Die "Vocal Ensemble Version" ist eine speziell auf das Vokalensemble KlangStimmen abgestimmte Version der Komposition 3-5-7-17. Die harmonischsten Akkorde der vier Tonsysteme (die auf dem 3., 5., 7. und 17. Teilton (TT) basieren) werden mit größtmöglicher Präzision in reiner Stimmung gesungen. Durch das Halten der Akkorde über eine lange zeitliche Dauer werden die für jedes der Tonsysteme charakteristischen Emotionen erlebbar. Diese Akkorde sind: eine reine Quinte (3. TT) mit Oktave, Dur-Akkord mit großer Terz (5. TT) und Quinte, ein 4-6-7 Akkord mit Quinte und septimal-kleiner Septime (7. TT) und eine Version von La Monte Youngs "Dream Chord", eine harmonisch optimale Teilung des Ganztons, der zwischen Quinte und Quart besteht, mittels eines speziell definierten Tritonus (17. TT). Um diese Akkorde mit größtmöglicher Präzision singen zu können, wird vor jedem Akkord ein "Fundament" aus Grundton (d = 146, Hertz) und Oktave präzise gesanglich gestimmt. Im Besonderen erlauben diese Akkorde, einen spezifischen Aspekt der reinen Stimmung zu zeigen: Musikalische Harmonie durch arithmetische Frequenzdifferenzen. Während die reine Quinte (3/2) den Frequenzraum zwischen Grundton und Oktave arithmetisch teilt, bilden die große Terz (5/4) und die septimal-kleine Septime (7/4) jeweils das exakte arithmetische Mittel zwischen Grundton, Quinte und Oktave. Der Tritonus (17/12) wiederum teilt den Ganztonabstand zwischen Quart und Quinte arithmetisch. Die entstehenden Frequenzdifferenzen entsprechen den ganzzahligen Brüchen 1/2, 1/4 und 1/12 und sind somit exakte Teilungen des Grundtons (1/1). Dieser Aspekt von musikalischer Harmonie ist subtil wahrnehmbar durch das Gehör, die Resonanz im menschlichen Körper sowie durch den psychoakustischen Effekt des sogenannten "fehlenden Grundtons", der im Innenohr und im Gehirn entsteht. Die Aufführung beginnt und endet mit jeweils einer Minute Stille, was die kontemplative Stimmung des Stücks ein- und ausleitet. Das Vokalensemble KlangStimmen ist: Ingeborg Habereder (Stimme), Irene Nergert (Stimme), Peter Franke (Stimme) und Jürgen Kufner (Stimme, Komposition, Probenleitung und Technik). Jürgen Kufner, 06.2026 20 h: Ignaz Schick Provisorischer Titel: Stolen Moments Ignaz Schick ist ein in Berlin lebender Klangkünstler, Komponist und bildender Künstler. Außerdem tritt er als Instrumentalist an Plattenspielern, Samplern, Objekten, elektronischen Geräten sowie am Alt- und Baritonsaxophon auf. Er lernte Saxophon und trat in Free-Jazz- und Avant-Rock-Bands auf. Gleichzeitig entwickelte er eine Leidenschaft für Mehrspur-Tonbandgeräte, Plattenspieler und Effektgeräte und begann, mit selbstgebauten Instrumenten und Klangerzeugungsgeräten zu experimentieren. Nach der Schule studierte er kurzzeitig an der Akademie der Bildenden Künste in München und arbeitete als Assistent des zeitgenössischen Komponisten Josef Anton Riedl. Seit 1995 lebt und arbeitet er in Berlin, wo er zu einer aktiven und festen Größe der sogenannten "Berlin Nouvelle Vague" und der aufblühenden "Echtzeitmusik"-Szene wurde. Er ist als Kurator äußerst produktiv (Festival für Andere Musik, Erase Reset, Time Shifts, TITO, Echtzeitmusiktage 2010, Flux Festival 2018, Fuchsfest 2021, REFLUX Festival 2022 ...) und leitet das Experimentalmusik-Label Zarek. Er tourt weltweit solo und mit Gruppen wie Perlonex, Phosphor, Berlin Sound Connective, Nighthawk Kitchen, Tree People, Splitter Orchestra oder ILOG und hat über 75 Alben bei zahlreichen internationalen Labels sowie auf seinem eigenen Label veröffentlicht. Er hat mit mehr als 200 internationalen Klangkünstlern zusammengearbeitet - unter anderem mit Mwata Bowden, John Butcher, Don Cherry, Douglas R. Ewart, Limpe Fuchs, Sven-Ake Johansson, George Lewis, Paul Lovens, Phil Minton, Roscoe Mitchell, Toshimaru Nakamura, Charlemagne Palestine, Andrea Parkins, Andrea Neumann, Keith Rowe, Akira Sakata oder Martin Tetreault. Seit 2012 konzentriert er sich auf konzeptuelle Komposition, Klanginstallationen und Forschung in verschiedenen Städten des Globalen Südens. Er leitet das 12- bis 15-köpfige Workshop-Ensemble "Circuit Training", dessen Schwerpunkt auf konzeptuellen, grafischen und verbal vorgegebenen Partituren liegt. Samstag 1. August 2026 18 h: Florian Neuner Musiksprache(n) »Brucknermaterial« radiophon und »Nonomaterial« performativ Brucknermaterial. Karambolagen (HR 2025) Kein bedeutender Komponist des 19. Jahrhunderts war so umstritten wie Anton Bruckner. Von Anfang an standen sich erbitterte Gegner und Jünger unversöhnlich gegenüber, vermittelnde Positionen gab es kaum. Der Musikwissenschaftler Mathias Hansen schreibt: »Hier liegt der einmalige Fall vor, dass ein Künstler als rücksichtslos-blinder Zerstörer geheiligter Traditionen geschmäht und andererseits zum verklärenden Vollender eben dieser Traditionen erhoben wird.« Die Elogen und Verdikte, die in den letzten 150 Jahren über den Symphoniker aus Oberösterreich geschrieben wurden, haben bemerkenswerte sprachliche Blüten getrieben, strotzen von kühnen Metaphern und schrägen Bildern. Der in Berlin und Wien lebende Schriftsteller und Radiomacher Florian Neuner setzt sich in "Brucknermaterial" mit diesen Texten auseinander und spitzt sie montierend zu. In der Konfrontation mit Bruckners Musik wird erlebbar, wie die Versuche scheitern, diese Musik in Worte zu fassen, wie die Sprache an ihr zerschellt - Karambolagen. sturzbäche & unterirdische flüsse. nonomaterial (2024) Texte, so Luigi Nono, benutze er als Provokation und Erhellung. Die Archive der Literatur- und Geistesgeschichte betrachtete er als Steinbruch. Die Texte gehen in der Faktur seiner Kompositionen auf oder sind überhaupt nur subkutan wirksam. Ich greife Nonos montierenden Umgang mit Literatur auf und wende ihn auf seine eigenen Textwelten an. Florian Neuner geboren 1972 in Wels, lebt als Schriftsteller und Publizist in Berlin und Wien. Gemeinsam mit Ralph Klever gibt er die Zeitschrift »Idiome. Hefte für Neue Prosa« heraus. Als Rundfunkautor ist er vor allem für Deutschlandfunk Kultur tätig. Jüngste Publikationen: »Die endgültige Totalverramschung« (Klagenfurt: Ritter Verlag 2024), »Brucknermaterial« (Wien: Klever Verlag 2024), »gewieher & trompetenhall« (Basel: Verlag Klingental 2024) 19.30 h: Peider A. Defilla Das musikalische Opfer 1. Die Erde ist eine Scheibe 2. Thut alles im Finsteren, Eurem Herrn das Licht zu ersparen 3. l'etat c'est moi 4. missa solemnis et brevis Der Medienkünstler und Filmemacher Peider A. Defilla, 1954 in Zürich geboren, studierte zunächst Musik (Violine, Orgel, Komposition) in der Schweiz und anschließend Malerei und Objektkunst an der Akademie der Bildenden Künste München. Während des Studiums Mitarbeit in der Galerie B.O.A. in der Schraudolphstrasse 25. Später gründete er das Medien-Atelier B.O.A. VIDEOFILMKUNST, das mittlerweile zu einer wichtigen Produktionsstätte für viele Filmemacher, Musiker und Künstler aus der ganzen Welt geworden ist. Bereits die ersten Experimentalfilme und Film-Performances von Peider A. Defilla gewannen internationale Preise wie z.B. den Agfa-Cinemathèque-Royale-Förderpreis in Knokke-Heist (Belgien) oder den Publikumspreis "Espaces" in Paris. 1998 und 2001 erhielt Defilla, der auch zahlreiche Film- und TV-Dokumentationen für verschiedene Sender hergestellt hat, den medizinischen OSKAR der ASCRS für die Gestaltung der Filme "Deep Sclerectomy" und "Stabilization of Thoric Plate Haptic". Ebenfalls 2001 fand anlässlich der Donaueschinger Musiktage die Uraufführung seiner Video-Oper "DONAUMUSIK" statt. Der daraus entstandene Film erhielt weite Resonanz bei seiner Ausstrahlung in verschiedenen europäischen Fernsehsendern. Seit 2002 produziert Peider A. Defilla eine wöchentliche Sendereihe bei BR-alpha: "musica viva - forum der gegenwartsmusik". Inzwischen ist bereits eine einmalige Enzyklopädie der Neuen Musik mit fast 200 Sendungen entstanden. Die DVD Edition "musica viva", die bei WERGO erscheint, produziert er seit 2005. Bisher erschienen 10 DVDs, die letzte über Steve Reich. Seit September 2009 geht seine neue wöchentliche Sendereihe "Kunstraum - Forum der Gegenwartskunst" in BR-alpha auf Sendung. Bisher sind 45 Folgen erschienen. Alle Sendungen, Filme und Videoarbeiten von Peider A. Defilla beschäftigen sich stark mit den verschiedenen Strömungen und Entwicklungen der Gegenwartskunst.
sendungen kunstraum sendungen musica-viva 21 h: Stephan Wunderlich / Edith Rom / Hans Essel "fasse dich kurz" 2024 - 2026 Versuche um ein neues Projekt herum bei einem neuen projekt weiß man wenig, hat man wenig, würde ich behaupten - andere meinungen? - gut, es gibt freilich einen anfangspunkt, eine "idee", einen "impuls", der immer wieder auftaucht, und drum sich weigert, ignoriert zu werden - diesen kann ich nicht in einem satz fassen, auch nicht in einem oder mehreren aspekten definieren, jedenfalls noch nicht - denn nun liegt ja das "untersuchen", ja das "forschen" vor einem - hier nur ein hinweis: in vielen arbeiten experimenteller musik spielen "objekte" eine wichtige rolle: also "dinge", die nicht als "instrument" konstruiert und hergestellt sind, die aber "für töne", tonerzeugung mißbraucht werden können - mich beschäftigt, durch zusammenstellen weniger objekte einen merkwürdigen spezifischen zusammenhang vor sich zu haben und dann noch die nicht unwichtige frage: "wie spielen?" sw 24 juli 2026 Stephan Wunderlich Geboren 1952 in Nürnberg, 1964-1976 Musikstudium in Würzburg und Stuttgart, 1974 Teilnahme an internationalen Ferienkursen: Darmstadt, Weimar, Bayreuth. 1976-1981 Beschäftigung mit Musik und Therapie, Entwicklung der "Strukturalen Musikarbeit". Seit 1984 selbstproduzierte Hörspiele (Karl-Sczuka-Preis 1985). Leitung des Ensembles für experimentelle Musik München. Programmgestaltung des jährlichen Festivals EXPERIMENTELLE MUSIK München seit 1983. Herausgeber: Zeitschrift für experimentelle Musik (1983 - 1986), "Ein Begriff des Experimentellen" (2001), "Gespräche mit Michael Kopfermann" (2006/2008). Veranstalter der Sommerwerkstatt für experimentelle Musik München. Aufführungen: Darmstädter Ferienkurse, Composers Symposium Albuquerque, Donaueschinger Musiktage, Freunde Guter Musik Berlin, ar/ge kunst Galerie Museum Bozen, Kasseler Musiktage (Musikprogramm der documenta), Kunstverein Giannozzo Berlin, Audio Art Festival Krakau, Laboratorium Poznan, G.A.M.O.-Festival Florenz, Experimental Intermedia Foundation New York, Stazione di Topolò, MILANOPOESIA, "weekend" Hessischer Rundfunk, Stichting Logos Gent, "brückenmusik" Deutzer Brücke/Köln, Festival de Musique de Wissembourg, "ad libitum + [sic!]" Warschau, Künstler und Künstlerinnen Vereinigung MAERZ in Linz. Seit 1988 zahlreiche Aufführungen des Projektes "Das SEQUENZEN-PROJEKT" mit dem Ensemble für experimentelle Musik München. Edith Rom seit 1982 tätig bei Projekten experimenteller Musik und experimentellem Theater, Leitung des Theaterprojekts Milbertshofen. Als Mitglied des Ensembles für experimentelle Musik München spielte sie seitdem in Kompositionen von John Cage, Dieter Schnebel, Josef Anton Riedl, Vinko Globokar, Hans Rudolf Zeller, René Bastian, Albert Mayr, Rolf Langebartels, Stephan Wunderlich und anderen. Eigene Miniatur-Kompositionen in der Reihe "Experimentelle Musik im Haidhausen-Museum", "Sommerwerkstatt für Experimentelle Musik" und im Festival EXPERIMENTELLE MUSIK 2012. Hans Essel 1960: Klassische Violine. 1981: Improvisationen unter Verwendung von Bandmaschinen. 1982: Gründung der Improvisationsgruppe SAHA in Heidelberg. 1985: Gründung der Improvisationsgruppe ARGO (Flüchtige Musik) in Darmstadt. 1989: Zeitfalten (Tonband). 1992: Gründung des Vereins für experimentelle Musik Darmstadt e.V.. 1992: Improvisationsgruppe ATTRAKTOREN. 1994: Saitensack für Violine solo. 1998: ARGO Flüchtige Wörter 2011: Zeitfalten Video II 2011: Bildstörung 2013: LP Saitensack 2015: Doppel-LP Zeitfalten (Picture disks) 2016: Doppel-LP Argo (Hans Essel, Marit Hoffmann, Thomas Stett) 2018: SprechPrunk-SaitenSack (Michael Barthel, Hans Essel) Aufführungen in Darmstadt, Wiesbaden, Koblenz, Berlin, Frankfurt, München, Marburg, Leipzig, Kubinhaus Zwickledt, Wernstein, Bremen, Leverkusen. www.hansessel.de/
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